Offener Brief / Deutlicher Protest gegen die geplante Einführung ausschließlich digitaler Tickets

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit der Veröffentlichung der Information, dass zur kommenden Saison ein neuer Ticketanbieter eingesetzt werden soll, der ausschließlich digitale Tickets anbietet, sind inzwischen einige Tage vergangen. In dieser Zeit haben uns am Faninfostand hinter der Hartmut-Nickel-Kurve zahlreiche Fragen von Fans erreicht, die wissen möchten, wie sich diese neue Ticketlösung künftig konkret auf ihren Hallenbesuch auswirken wird. Die Resonanz aus der Fanszene ist dabei eindeutig: Viele Anhänger zeigen sich irritiert, besorgt und teilweise auch verärgert darüber, dass eine derart weitreichende Entscheidung offenbar getroffen wurde, ohne die Fans im Vorfeld umfassend einzubinden oder transparent über mögliche Konsequenzen zu informieren.Zwar hatte ein kleiner Teil der aktiven Fanszene die Möglichkeit, mit einem Stellvertreter des Vereins über dieses Thema zu sprechen. In diesem Gespräch erhielten die anwesenden Personen jedoch lediglich einen ersten, sehr groben Einblick in die geplanten Veränderungen. Eine vertiefte Diskussion über mögliche Auswirkungen, Risiken oder Alternativen konnte zu diesem Zeitpunkt nicht stattfinden. Viele zentrale Fragen blieben unbeantwortet. Fragen, die uns seitdem am Faninfostand immer wieder gestellt werden und auf die wir bislang ebenfalls keine belastbaren Antworten geben können.Aus diesem Grund sehen wir nun den Zeitpunkt gekommen, uns als Fanclubs und Vertreter der aktiven Fanszene öffentlich und deutlich zu diesem Thema zu äußern. Die geplante vollständige Umstellung auf digitale Tickets ist für viele Fans weit mehr als eine bloße technische Umstellung im Hintergrund. Für einen großen Teil der Anhängerschaft ist der Besuch der Heimspiele der Eisbären Berlin nicht lediglich der Konsum eines Sportereignisses.Das Stadion beziehungsweise die Arena ist ein sozialer Raum, der von Gemeinschaft,Traditionen und über Jahre gewachsenen Strukturen lebt.Wir Fans begleiten diesen Verein seit Jahrzehnten. Wir haben Meisterschaften, Niederlagen,Generationen von Spielern und unzählige emotionale Momente erlebt. In dieser Zeit sind Rituale entstanden, die den Stadionbesuch zu etwas Besonderem machen. Dazu gehört auch das Ticket selbst.Ein physisches Ticket ist für viele Anhänger mehr als nur eine Eintrittskarte. Es ist ein Erinnerungsstück, ein Symbol für einen besonderen Abend, für ein entscheidendes Spiel, für eine Auswärtsfahrt oder für ein gemeinsames Erlebnis mit Freunden und Familie. Viele Fans sammeln ihre Tickets seit Jahren oder Jahrzehnten. Sie erzählen Geschichten von Playoff-Serien,entscheidenden Toren oder unvergesslichen Meistermomenten. Mit der vollständigen Abschaffung physischer Tickets droht ein Stück dieser gewachsenen Fankultur verloren zu gehen.Die aktuell geplante Lösung wird deshalb von vielen Fans als weiterer Schritt hin zu einer zunehmenden Eventisierung des Stadionerlebnisses wahrgenommen. Der Besuch eines Spiels droht immer stärker zu einem standardisierten Konsumprodukt zu werden, bei dem Tradition,Spontanität und gewachsene Fanstrukturen zunehmend in den Hintergrund treten.Gerade vor diesem Hintergrund ist es aus unserer Sicht schwer nachvollziehbar, dass eine Entscheidung mit einer solchen Tragweite offenbar getroffen wurde, ohne die Fans frühzeitig einzubeziehen oder zumindest ernsthaft anzuhören. Immer wieder wird von Vereinsseite betont,wie wichtig eine lebendige und authentische Fankultur für die Identität des Vereins ist. Wenn diese Aussagen ernst gemeint sind, dann müssen sie sich auch in der Art widerspiegeln, wie mit den Anliegen der Fans umgegangen wird.Neben diesen kulturellen Aspekten sehen wir auch ganz konkrete praktische Probleme.Technische Störungen sind im digitalen Alltag keine Ausnahme, sondern Realität. Serverausfälle,fehlerhafte Apps, beschädigte Smartphones oder schlicht ein leerer Akku können im entscheidenden Moment dazu führen, dass ein digitales Ticket nicht abrufbar ist. Hinzu kommt,dass bei Veranstaltungen mit mehreren tausend Besuchern regelmäßig Mobilfunknetze überlastet sind.Eine Ticketlösung, die den Zugang zum Stadion ausschließlich an funktionierende Technik bindet, birgt daher erhebliche Risiken für einen reibungslosen Ablauf am Spieltag. Lange Warteschlangen, frustrierte Fans oder unnötige Konfliktsituationen am Einlass sind Szenarien,die unter solchen Umständen keineswegs unrealistisch erscheinen.Der Stadionbesuch muss weiterhin niedrigschwellig, unkompliziert und für alle zugänglich bleiben. Dazu gehören ausdrücklich auch ältere Fans, Kinder, Menschen ohne modernes Smartphone oder Personen, die bewusst auf bestimmte digitale Anwendungen verzichten. Eine vollständige Digitalisierung darf nicht dazu führen, dass Teile der langjährigen Anhängerschaft faktisch ausgeschlossen oder zumindest benachteiligt werden.Ein weiterer zentraler Punkt betrifft den Umgang mit den im Rahmen digitaler Tickets entstehenden Daten. Viele Fans äußern bereits jetzt berechtigte Sorgen darüber, dass eine rein digitale Ticketstruktur eine weitreichende Nachverfolgbarkeit des Stadionbesuchs ermöglichen könnte. Digitale Tickets können technisch erfassen, wer welches Spiel besucht, auf welchem Platz jemand sitzt oder wie Tickets verwaltet und weitergegeben werden. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Sensibilität beim Thema Datenschutz erwarten viele Fans hier größtmögliche Transparenz.Wir Fans sind keine austauschbaren Kunden eines Events. Wir sind ein zentraler Bestandteil der Atmosphäre, der Identität und letztlich auch des Erfolgs dieses Vereins. Ohne die Leidenschaft und Unterstützung der Fans wäre der Eishockeystandort Berlin nicht das, was er heute ist.Vor diesem Hintergrund richten wir folgende klare Erwartungen an die Verantwortlichen:

eine offene und transparente Kommunikation über die geplante Ticketlösung

eine ernsthafte und frühzeitige Einbindung der Fanszene in den weiteren

Entscheidungsprozess

klare und nachvollziehbare Informationen zum Datenschutz und zur Nutzung der im

Rahmen digitaler Tickets entstehenden Daten

Einführung eines Wahlmodells, bei dem Fans zwischen digitalem Ticket und physischem

Ticket wählen können

Offline nutzbare Lösungen, die auch ohne App oder Internetverbindung funktionieren

Beibehaltung der physischen Dauerkarten als optionale Alternative auch gegen einen angemessenen Aufpreis 

Die Fankultur rund um die Eisbären Berlin ist über Jahrzehnte gewachsen und hat diesen Verein durch erfolgreiche, aber auch schwierige Zeiten getragen. Entscheidungen, die diese Kultur betreffen, dürfen daher nicht über die Köpfe der Fans hinweg getroffen werden.Wir erwarten, dass dieser Brief, als das verstanden wird, was er ist: ein deutlicher, aber konstruktiver Appell, die Fans in Entscheidungen einzubeziehen, die ihren Stadionbesuch und ihre Fankultur unmittelbar betreffen.Für einen offenen Dialog stehen wir jederzeit bereit, eine Möglichkeit wäre am kommenden

Mittwoch, den 18.03.2026.

Mit nachdrücklichen Grüßen

Die Fanclubs und Vertreter der aktiven Fanszene der Eisbären Berlin

Block 417 und Freunde, Bärentatzen, Black Corner 2007, Bö!se Ossis, Dynamo Familie,

Eisbären Helfen Eisbären e.V., Eisbären Meute, eisbaerlin.de, Eisbärliner 2005, Eis-Dynamo,

Ela on Tour, Fanatics Ost 2002, Förderverein Fanbogen e.V., Gioventu Dynamo, Jugend 1954,Ostblock Stendal, Schwarze Liste, Sektion 1200, Szene Ost, Spreecommando, Ultras 1954